Wie alles mal begann
Hätte mir jemand vor 14 Jahren gesagt, ich würde mal ein Pferd haben und mich mit dem Virus Pferd infizieren ,würde ich sagen der spinnt. Aber es ist trotz alledem passiert. Durch meine Frau Sandra, die sich vor 14 Jahren ihr Pferd Rayana kaufte, bin ich mit dem Thema Pferd konfrontiert worden.
Rayana wurde auf einem kleinen Bauernhof in Werdohl eingestellt. Auf der Wiese, wo sie stand, war zu dem Zeitpunkt auch ein Pferd mit dem Namen Massai. Er war eins der Pferde, der die Leute von der Weide jagte und nach allen biß und trat was im zu nahe kam, außer dem Bauern, seinem Besitzer.
Da Rayana noch zu jung war, um geritten zu werden (sie war ein Jährling) bot der damalige Stallbesitzer Sandra
an, daß sie Massai reiten könnte. Nach und nach wurde ich auch neugierig und wollte auch einmal auf einem
Pferd sitzen.
Sandra sagte, ich könne mich doch einmal auf Massai setzen und so geschah es. Sie führte mich einige Male
auf dem Reitplatz herumund ich merkte, das ist meine Welt.

Meine ersten schritte mit Pferd "Massai"
Wie schon erwähnt, spielte ich zu dem Zeitpunkt noch aktiv Badminton, verbrachte aber nach und nach immer
mehr Zeit am Stall und kümmerte mich um Massai, von dem niemand etwas wissen wollte, weil alle Angst vor
ihm hatten.
Massai, den ich zwischenzeitlich öfter geritten hatte, was man so reiten nennt, fand langsam aber sicher den Weg in mein Herz und wir nahmen ihn zunächst als Pflegepferd. Der Auslöser, das ich Ihn vom Bauer abkaufte, war der, das noch eine Frau ihn regelmäßig ritt, mit ihm aber nicht so umging, wie wir uns das vorstellten.
Massai war damals als "Mörderpferd" verschrien, da er gerne mit gefletschten Zähnen Leute von der Wiese
und aus der Box jagte. Auch Reitlehrer wurden gerne von ihm über den Platz gejagt. Als "Höhepunkt" seiner
Karriere biß er der Frau vom Stallbesitzer ein Stück aus der Brust.
Da Sandra und ich der Meinung sind, daß kein Pferd von Natur aus bösartig ist, sondern von Menschen dazu
gemacht wird (hier sind aber nicht unsere damaligen Stallbesitzer aus Werdohl gemeint, dort ging es Massai
gut), beschlossen wir, ihn zu kaufen und ihm zu zeigen, daß ihm nicht alle Menschen böse gesinnt sind.
Der Stallbesitzer war einverstanden, ihn an uns zu verkaufen (er sagte immer: Massai verkaufe ich nur an
jemanden, der mit ihm umgehen kann). Bei Massai und mir stießen zwei Dickköpfe aufeinander und ich
kann nur sagen, wir haben uns gesucht und gefunden.
Wir haben ungefähr ein Jahr lang intensiv mit ihm gearbeitet und es gab natürlich auch Rückschläge. So
biß er zum Beispiel Sandra in den Arm bis auf den Knochen und er hat auch immer mal wieder nach uns
getreten. Irgendwann machte es bei ihm aber anscheinend Klick und er hatte verstanden, daß wir ihm
nichts Böses wollen und ist seitdem ein Pferd, das alles für "seinen" Menschen macht.
Ich hatte damals eine Miteinstellerin, die regelmäßig an Distanzritten teilnahm und das, was sie so darüber
erzählte machte mich neugierig und als in der Nähe wieder ein Distanzritt ausgeschrieben wurde, beschloß
ich, mit Massai daran teilzunehmen.

60 km Oberhausen mit "Massai"
Meinen ersten Distanzritt bestritt ich in Eisborn und wir erreichten den 7. Platz von 32 und das ohne vorher
trainiert zu haben. Man merkte Massai an, daß er Spaß dran hatte und so absolvierten wir in den folgenden
Jahren Ritte bis zu 60 km. Nach und nach machte sich aber doch sein Alter bemerkbar, er brauchte immer
länger, um sich von den Anstrengungen zu erholen.

Bergische Distanz mit "Massai"
Nachdem ich dann bei einem Distanzritt in Holland ein traumatisches Erlebnis hatte (Massai sprang ein Lendenwirbel raus und der holländische Tierarzt wollte in einschläfern, da er der Meinung war, das es sich
um einen Kreuzverschlag handelte). Nach einer Blutuntersuchung in einer Klinik in der Nähe (Sonntags immer
ganz toll) stellte sich jedoch heraus, daß die Diagnose falsch war und nachdem wir noch eine Nacht in
Holland verbringen mußten, gab uns der Tierarzt grünes Licht, nach Hause zu fahren.
In den nächsten Tagen verbesserte sich Massais Gesundheitszustand jedoch nicht und drei hinzugerufene
Tierärzte stellten immer abenteuerlichere Diagnosen, konnten aber auch nicht helfen. Bekannte erzählten
mir von Frau Braun aus Schwerte und nach einem kurzen Anruf fuhren wir am nächsten Tag dorthin.
Frau Braun warf einen Blick auf Massai, diagnostizierte einen herausgesprungen Wirbel, behandelte ihn
und er war wieder der Alte. Sie gab uns den Rat, Massai zwar zu fordern, aber nicht mehr in dieser Art.
( An dieser Stelle noch mal Herzlichen Dank für die tolle Arbeit an Massai , man muß sagen, daß sie ihm das
Leben gerettet hat, alle anderen waren der Meinung, man solle das Pferd doch endlich erlösen).
Massai hat sich nach dem Unfall auch verändert, er wurde zutraulicher und merkte das jemand für ihn da ist. Nicht wie früher, wo er immer weitergereicht wurde bei Problemen oder gesunheitlichen Defiziten.
Auf der Suche nach einer Beschäftigung für Massai lernte ich auf einem Seminar einen Trainer kennen , der mich am Anfang begeisterte durch seinen Umgang mit Pferden. Aus einem Kurs (Zirkuslektion) wurden viele Kurse ,wobei ich mir viele Sachen aneignete und selber ausprobierte.
Rayana die nun schon 6 Jahre alt war, wurde mir von Sandra für die Distanzritte zur Verfügung gestellt, mit
ihr bestritt ich Ritte bis zu 80 km.

"Rayana"sie wurde 3 auf der Deutschen Meiserschaft
in Eisborn
Mit Massai, der mittlerweile 26 Jahre alt war, begann ich die Zirkuslektionen intensiver zu betreiben. Durch die Kurse, aber auch durch die Arbeit zu Hause, merkte ich, wie er in seiner Art immer umgänglicher wurde.
Das Vertrauen, was sich zwischen uns aufbaute, ist mit Sicherheit auf die intensive Zirkusarbeit zurückzuführen.

"Rayana und Massai" beim Training
Zirkuslektionen sollte man nicht unter dem Aspekt sehen, daß es einfach nur Showtricks sind, denn
sie haben einen viel höheren Stellenwert:
Vertrauen, Gymnastizierung oder einfach Abwechslung zum normalen Reiten. Problempferden kann man mit Zirkuslektionen wieder das Vertrauen zum Menschen geben, bei gesundheitlich beeinträchtigten Pferde (Arthrose,Spat,usw.) kann man mit Zirkuslektionen zur Rekonvaleszenz beitragen und sogar Besserung hervorrufen. Auch der psychische Aspekt ist nicht zu unterschätzen, junge Tiere lernen sich und Ihre äußere Umwelt unter anderen Gesichtpunkten zu sehen, ältere Pferde haben wieder eine Aufgabe, die ihnen Erfüllung gibt und ihnen zeigt, das sie noch geliebt und gebraucht werden.
Vielleicht werde ich nun ein wenig belächelt, gerade zum Thema altes Pferd, aber durch die Arbeit mit Massai lernte ich, daß auch ein altes Pferd noch leistungsfähig ist oder sagen wir es noch besser, abgeklärter für viele Lektionen.

"Rayana und Massai"
Danke an Freunde die mich inspiriert haben und nartürlich an meine Frau Sandra die mir in meiner Arbeit mit Rat und Tat zur Seite steht.

"Sandra und Rayana"
VITA
Uwe Jourdain
ehemaliger Distanzreiter gibt seit mehreren Jahren Seminare im Bereich Bodenarbeit und Freiheitsdressur.
Bekannt wurde er durch seine vielen Fernsehauftritte (Planet today, hundkatzemaus oder der Fernsehenserie "Paulas Sommer" usw.) und Vorführungen auf Messen wie Equitana, Equimundo, Hund und Pferd etc.
Mittlerweile gibt er nicht nur Kurse in Deutschland , sondern auch in den Niederlanden, Schweiz, Österreich, Kanada und Andalusien.
Im Reitzentrum "Hacinda El Boyal" in Andalusien", nahe Jerez, wird derzeitig ein Stützpunkt für seine Arbeit aufgebaut.
Auf der "Red Willow Guest Ranch" in Kanada in der South Cariboo, British Columbia werden ab 2010 Kurse angeboten.
Ehemaliger Dozent der Kölner Pferde Akademie und jetziger Dozent bei der Europäischen Pferde Akademie .

"Massai" hier im Alter von ca. 24 Jahren
Massai, der mir daß Wissen vermittelte Pferde ein wenig besser zu verstehen.
Er ist der beste Mentor , den ich mir wünschen kann!
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