ÜBER MICH

VITA

Uwe Jourdain
ehemaliger Distanzreiter gibt seit mehreren Jahren Seminare im Bereich Bodenarbeit und Freiheitsdressur.
Bekannt wurde er durch seine vielen Fernsehauftritte (Planet today, hundkatzemaus oder der Fernsehenserie "Paulas Sommer" usw.) und Vorführungen auf Messen wie Equitana, Equimundo, Hund und Pferd etc.
Mittlerweile gibt er nicht nur Kurse in Deutschland , sondern auch in den Niederlanden, Schweiz,Frankreich, Österreich, Kanada ,USA, Andalusien und Mallorca, Malaysia

Ehemaliger Dozent der Kölner Pferde Akademie und Europäischen Pferde Akademie .

Wie alles mal begann

Hätte mir jemand vor vielen Jahren gesagt, ich würde mal ein Pferd besitzen und mich mit dem Virus Pferd infizieren, hätte ich gesagt, der spinnt. Aber es ist trotz alledem passiert. Durch meine ehemalige Frau Sandra, die sich vor Jahren ihr Pferd Rayana kaufte, bin ich mit dem Thema Pferd konfrontiert worden.



Rayana wurde auf einem kleinen Bauernhof in Werdohl eingestellt. Auf der Wiese, wo sie stand, war zu dem Zeitpunkt auch ein Pferd mit dem Namen Massai. Er war eins der Pferde, das die Leute von der Weide jagte und nach allem biss und trat, was ihm zu nahe kam, außer dem Bauern, seinem Besitzer.
Da Rayana noch zu jung war, um geritten zu werden (sie war ein Jährling), bot der damalige Stallbesitzer Sandra an, dass sie Massai reiten darf. Nach und nach wurde ich neugierig und wollte auch einmal auf einem Pferd sitzen. Sandra sagte, ich könne mich doch einmal auf Massai setzen und so geschah es. Sie führte mich einige Male auf dem Reitplatz herum und ich merkte: DAS ist meine Welt.



Zu diesem Zeitpunkt spielte ich noch aktiv Badminton, verbrachte aber nach und nach immer mehr Zeit am Stall und kümmerte mich um Massai, von dem niemand etwas wissen wollte, weil alle Angst vor ihm hatten.
Massai, den ich zwischenzeitlich öfter geritten hatte – was man so reiten nennt – fand langsam aber sicher den Weg in mein Herz und wir nahmen ihn zunächst einmal als Pflegepferd. Der Auslöser, ihn dem Bauern abzukaufen, war, dass eine zweite Frau ihn regelmäßig ritt, mit ihm aber nicht so umging, wie wir uns das vorstellten. Massai war damals als „Mörderpferd“ verschrien, da er gerne mit gefletschten Zähnen Menschen von der Wiese und aus der Box jagte. Auch Reitlehrer wurden gerne von ihm über den Platz gehetzt. Als „Höhepunkt“ seiner Karriere biss er der Frau des Stallbesitzers ein Stück aus der Brust.
Da meine Frau und ich der Meinung sind, dass kein Pferd von Natur aus bösartig ist, sondern von Menschen dazu gemacht wird (hier sind aber nicht unsere damaligen Stallbesitzer aus Werdohl gemeint, dort ging es Massai gut), beschlossen wir, ihn zu kaufen und ihm zu zeigen, dass ihm nicht alle Menschen böse gesonnen sind. Der Stallbesitzer war einverstanden, ihn an uns zu verkaufen (er sagte immer: Massai verkaufe ich nur an jemanden, der mit ihm umgehen kann). Gesagt – getan. Und nun stießen bei Massai und mir zwei Dickköpfe aufeinander und ich kann nur sagen: Wir haben uns gesucht und gefunden.
Wir haben ungefähr ein Jahr lang intensiv mit ihm gearbeitet und es gab natürlich auch Rückschläge. So biss er zum Beispiel Sandra in den Arm und zwar bis auf den Knochen und er hat auch immer mal wieder nach uns getreten. Irgendwann machte es bei ihm aber anscheinend ,Klick‘ und er hatte verstanden, dass wir ihm nichts Böses wollen. Er ist seitdem ein Pferd, das alles für „seinen“ Menschen macht.
Ich hatte damals eine Miteinstellerin, die regelmäßig an Distanzritten teilnahm und was sie darüber erzählte, machte mich neugierig.

Als in der Nähe wieder ein Distanzritt ausgeschrieben wurde, beschloss ich, mit Massai daran teilzunehmen.
Meinen ersten Distanzritt bestritt ich in Eisborn und wir erreichten den 7. Platz von 32 und das, ohne vorher trainiert zu haben. Man merkte Massai an, dass er Spaß dran hatte und so absolvierten wir in den folgenden Jahren Ritte bis zu 60 km. Nach und nach machte sich aber doch sein Alter bemerkbar. Er benötigte immer längere Erholungsphasen, um sich von den Anstrengungen zu erholen.



Bei einem Distanzritt in Holland hatte ich ein traumatisches Erlebnis – Massai sprang ein Lendenwirbel raus und der holländische Tierarzt wollte ihn einschläfern, da er der Meinung war, dass es sich um einen Kreuzverschlag handelte. Nach einer Blutuntersuchung in einer Klinik in der Nähe (an einem Sonntag immer ganz toll) stellte sich jedoch heraus, dass die Diagnose falsch war. Nachdem wir noch eine Nacht in Holland verbringen mussten, gab uns der Tierarzt grünes Licht, nach Hause zu fahren.
In den nächsten Tagen verbesserte sich Massais Gesundheitszustand jedoch nicht und drei hinzugerufene Tierärzte stellten immer abenteuerlichere Diagnosen, konnten aber auch nicht helfen. Bekannte erzählten mir von Frau Braun aus Schwerte und nach einem kurzen Anruf fuhren wir am nächsten Tag dorthin. Frau Braun warf einen Blick auf Massai, diagnostizierte einen herausgesprungenen Wirbel, behandelte ihn und er war wieder der Alte. Sie gab uns den Rat, Massai zwar zu fordern, aber nicht mehr in dieser umfangreichen Art. An dieser Stelle noch mal herzlichen Dank für die tolle Arbeit an Massai, man muss sagen, dass sie ihm das Leben gerettet hat. Alle anderen waren der Meinung, man solle das Pferd doch endlich erlösen.



Massai hat sich nach dem Unfall verändert. Er wurde zutraulicher und merkte, dass jemand für ihn da ist. Es war nicht mehr wie früher, als er einfach weitergereicht wurde, wenn Probleme auftauchten oder gesundheitliche Defizite einem unbeschwerten Pferdeleben einen Strich durch die Rechnung machten.
Auf der Suche nach einer Beschäftigung für Massai lernte ich auf einem Seminar einen Trainer kennen, der mich durch seinen Umgang mit Pferden begeisterte. Aus diesem einem Kurs (Zirkuslektionen) wurden viele Kurse, bei denen ich mir viele Dinge aneignete, selbst ausprobierte und letztendlich erfolgreich umsetzte.
Rayana, die nun schon 6 Jahre alt war, wurde mir von Sandra für die Distanzritte zur Verfügung gestellt. Mit ihr bestritt ich Ritte bis zu 80 km. Mit Massai, der mittlerweile 26 Jahre alt war, begann ich die Zirkuslektionen intensiver zu betreiben. Durch die Kurse, aber auch durch die Arbeit zu Hause, merkte ich, wie er in seiner Art immer umgänglicher wurde. Das Vertrauen, was sich zwischen uns aufbaute, ist mit Sicherheit auf die intensive Zirkusarbeit zurückzuführen.



Zirkuslektionen sollte man nicht unter dem Aspekt sehen, dass es einfach nur Showtricks sind, denn
sie haben einen viel höheren Stellenwert:



Vertrauen, Gymnastizierung oder einfach Abwechslung zum „normalen“ Reiten. Problempferden kann man mit Zirkuslektionen wieder das Vertrauen zum Menschen geben, bei gesundheitlich beeinträchtigten Pferden (Arthrose, Spat usw.) kann man mit Zirkuslektionen zur Rekonvaleszenz beitragen und sogar Besserung hervorrufen. Auch der psychische Aspekt ist nicht zu unterschätzen, junge Tiere lernen, sich und ihre Umwelt unter anderen Gesichtspunkten zu sehen, ältere Pferde haben wieder eine Aufgabe, die ihnen Erfüllung gibt und ihnen zeigt, dass sie noch geliebt und gebraucht werden.

Vielleicht werde ich nun ein wenig belächelt, gerade zum Thema altes Pferd, aber durch die Arbeit mit Massai lernte ich, dass auch ein altes Pferd noch leistungsfähig ist – oder sagen wir es noch besser – abgeklärter ist für viele Lektionen.





Ein Dank an Massai, der mir das Wissen vermittelte, Pferde ein wenig besser zu verstehen und die
Freiheitsdressur in Deutschland noch mehr zu etablieren.

Er ist der beste Mentor, den ich mir wünschen konnte !